Lake Isabella – was macht die da?

…naja, erstmal: Nicht schlafen können. Es ist 00:30 Uhr und mir geht so vieles durch den Kopf. Nebenan eine Straße. Der Hund ist glücklicherweise wieder eingeschlafen. Es ist warm, der Campingplatz voll.

Ich zahle 5 Dollar pro Nacht, Dusche inclusive. Es gibt freies WLAN, ein „Wohnzimmer“ mit Handylademöglichkeit und Fernseher (der rund um die Uhr läuft). Viele schattige Sitzbänke, eine Feuerstelle und zwei Waschmaschinen sowie Trockner.

Mich erwarten zwei selbst vorgeschickte Päckchen mit Dingen wie Kindl Reader, Sandalen, Pulli, usw., die ich gerne um- oder aussortieren würde. Dazu habe ich mir ein paar Sachen bei Amazon bestellt, die spätestens übermorgen da sein sollten.

Lake Isabella ist günstig gelegen. Westwärts fährt ein Bus Richtung Bakersfield und Richtung Osten über die PCT Kreuzung Walker Pass nach Ridgecrest. Rechts und links der Sierra führt ein Highway entlang. Je nachdem, wo ich einsteigen möchte, kann ich mich hier also entsprechend entscheiden.

Nordöstlich hinter Ridgecrest liegt Lone Pine. Dort gibt es einen guten Outdoorusrüster. Ich plane, mit all meinem Kram zu ihm zu gehen und ihn zu bitten, meine Ausrüstung hinsichtlich des Gewichtes und der kommenden Meilen zu optimieren. Das kann ein paar hundert Dollar kosten, aber die Steigungen werden härter und der Bedarf an notwendigen Dingen auch (Verpflegung, Gaskartuschen, mehr und andere Kleidung, wieder Minispikes, Bärenkanister).

So ist der Plan. Erstmal.

Liebe zu meinem Weg – Ja zu….

…den vielen freundlichen, hilfsbereiten Menschen, denen ich begegnet bin. Das wäre mir nicht passiert, wenn ich topfit und dabei wäre, den Thruhike-Zeitrekord zu brechen.

…dem Satz, den mir mein Bruder neulich geschickt hat: „Der Weg ist wie das Leben“. Es ist so, wie es ist. Ich bekomme es nicht anders hin. Es ist mein Weg, ob ich ihn so haben will, oder nicht.

Essen

Ich habe mir etwas zu essen gekauft. Frische Sachen und Surimi mit so etwas wie Baguettebrot. Und ein Bier. Das gab es zum Abendessen.

Unterwegs gibt es 2-3 Handvoll Müsli mit Wasser morgens und mittags, Ramensuppen mit Parmesan und / oder Tunfisch abends. Nachts meistens trockenes Müsli und rund um die Uhr Müsliriegel, bis zu ca. vier am Tag. Ich nehme unregelmäßig meine Medikamente: Magnesium, Centrum Multivitamin, Vitamine B12 und Calcium.

Das scheint zu wenig zu sein, mir schwinden die Kräfte.

Was erschwerend hinzu kommt, ist meine Angst, wieder in meine Esstörung zu rutschen. Aber vielleicht bin ich schon mitten drin.

Ich will den Weg weiter gehen. Also muss mehr und besseres Essen her.

Das Dumme ist nur: Es muss ja auch getragen werden. Das Essen war jetzt schon schwer genug. Und Platz braucht es auch.

Ich werde Mandelmus nachkaufen. Und muss das Olivenöl auch mal anfangen zu benutzen, anstatt es nur zu tragen.

Wenn ich weiter gehen will, muss ich mich besser um mich kümmern, so viel steht fest.

Liebe zu meinem Weg

5. Juni.

Gestern bin ich um 5 Uhr morgens von meinem schönen Platz gestartet. Ich hatte mich tags zuvor beim Laufen so wohl gefühlt und mir rund 23 Meilen bis hinter den Silverwoodlake vorgenommen. Morgens ist einfach die beste Zeit: Die rund 12 Meilen bis zum Mittag fielen mir recht leicht.

Beim Wasserholen traf ich zwei andere Wanderer. Das ist schon was Besonderes, da der Trail um diese Zeit deutlich leerer ist. Und dann kam Shirley um die Ecke – ich verstand es erst nach einem Moment: Sie geht die Strecke anders rum, war am Walker Pass gestartet und ich hatte sie in Hikertown getroffen. Was für ein schöner Zufall!

Ihre vier Kinder sind groß. Sie wirkt ausgeglichen, in sich ruhend, zufrieden. Dabei offen, herzlich und interessiert.

Wie ich mich nach einem solchen Zustand sehne.

Vielleicht sehen wir uns wieder… das wäre schön! Sie plant, die Sierra im August anzugehen. Also Daumendrücken: Aller guten Dinge sind Drei!

Mich zog es weiter.

Ich hatte für meine sonstigen Gewohnheiten gut gegessen und getrunken, aber der kräftemäßige Einbruch kam in der brütenden Hitze trotzdem gnadenlos. Ich hatte Druckstellen nicht ernst genommen und mir Blasen gelaufen. Der ersehnte See, den ich mir so schön einsam vorgestellt hatte, hinter Wall und Hang versteckt, es zog sich ewig hin. Ein kurzes Wasserspiel an einem kleinen Strand brachte dann endlich etwas Erfrischung.

Der Weg zum angelegten, offenen Campingplatz war einfach eine Quälerei. Ich fühlte mich so kraftlos. Gegen 20 Uhr hatte ich ihn erreicht. Freute mich nur auf eine Dusche, aber die war verschlossen. Ich spürte meine Müdigkeit und Erschöpfung.

Ich habe Resumee gezogen. Die kommenden Meilen sind kein Spaß und die letzten 20 Meilen führen durchgehend bergauf nach Whrigtwood und haben keine Wasserstelle. Das würde bedeuten, mindestens 8 Liter Wasser tragen zu müssen. Nein, dazu bin ich momentan einfach nicht in der Lage – zumal ich nicht muss.

Also: Mal wieder springen….

Kurz: 250 Meilen Fahrt nach Bakersfield mit Rick, dem ich über Uber gefunden habe, für 90 Dollar.

Wir kamen an Stellen vorbei, an denen ich schon vorbei gelaufen bin. Das kann schon ein bisschen wehmütig machen…

Glücklicherweise hatte der Bus nach Lake Isabella Verspätung, so musste ich nicht drei Stunden dort verbringen, sondern konnte gleich einsteigen.

Auf der Fahrt wurde mir deutlich bewusst, was Schneeschmelze heißt: Der Fluss Kern hatte vor ein paar Tagen nicht halb so viel Wasser.

Nun bin ich wieder hier in Lake Isabella.

Was ist das für ein Weg?

Wie kann man sowas annehmen, das so zerrissen ist? Von wunderschönen, wie entmutigenden Momenten durchzogen? Kein Ziel, kein echter Wille? Zu was?

Aber noch halte ich fest an den schönen Momenten. Ich will sie wieder haben.

Herzlich umarmen…

…möchte ich Euch alle mal ganz dringend und unaufschiebbar – Knuddeln bis die Polster schwabbeln und die Schneeberge hinter den Augen schmelzen – vor Freude oder Berührtsein. Oder alles zusammen…

Es tut so gut Euch mit all Euren guten Wünschen und lieben Gedanken hinter oder neben mir zu wissen. Auch und gerade wenn ich manchmal blind und taub durch die Gegend laufe und den Kontakt zu meinem Boden verliere….

Und bitte haltet mich nicht für faul oder undankbar wenn ich Eure Kommentare, Whattsapps oder Emails meistens nicht persönlich beantworte, obwohl ich mir das immer vornehme. Ich lese sie alle und oft genug geht mir dabei die Gänsehaut in feuchte Augen über.

Bitte weitermachen!!!

Habt meinen herzlichen Dank!

…und hier noch ein kleiner Blumenstrauß für Euch: