Drei Begegnungen

Das, was den Moment so besonders macht, ist das Jetzt. Und genau dem bin ich gestern auf meinen Wanderungen drei Mal so eindrucksvoll begegnet, das ich jetzt noch drüber schreiben will.

Barbara

Sie kam mir auf dem Rad entgegen.

Es ist mir eine liebgewonnene, weil zwanglose, Gewohnheit geworden, Menschen bei Gelegenheit zu grüßen.

Wir lächelten.

Sie hielt spontan und sprach mich an.

Ihr Lächeln könnte in seiner Beseelheit drogenindiziert sein, so kindlich glücklich wirkte es. Dass ein Glaube das zu tun vermag, ist mir zwar bekannt aber doch immer wieder verwunderlich: Fasziniert studierend lauschte ich ihrem Gesicht.

Sie wollte ihren Glauben teilen. Ich lehnte dankend ab.

Aber wir gingen mit voneinander erfahrenen Namen…

…und ich mit ihrem Wunderlichkindsein im Sinn.

Die Rose

Die Rose ist eine Rose. Sie tut, was sie soll: Blühen und duften. Wachsen und stechen.

Ich bin ein Mensch, sehe, fühle, denke.

Bemerke, verknüpfe, hoffe, staune, erdufte.

Das Wunder ist im Hirn, nicht in der Rose

Transmitter im Hirn machen es, was es ist. Bunt oder vernichtend. Duft oder Schmerz.

Es ist alles da. Alles möglich.

Mein Reptilhirn erfasst den Duft der Angst. Bunt oder vernichtend?

Open to Ah:

Mach ein Wunder daraus.

Der Hund, der Groll und der Weg der Wunde (r)

Dieser Köter kläffte mich schon aus der Ferne an. Natürlich war er nicht angeleint und meine Hoffnung, er sei dann vielleicht doch ein gut erzogenes, weil auf sein Alphatier vertrauen könnend gebundenes Exemplar, erfüllte sich leider nicht. Er rannte leichtfüßig springend, aber deutlich verärgert erregt bellend auf mich zu.

Ich blieb stehen, senkte meinen Blick. Groll dröhnte auf: Das nun wieder…

Es gibt verschiedene Handlungsvarianten, die die menschlichen Begleiter von Hunden dieses Verhaltens ergreifen. Es gibt beispielsweise die erfolglos Befehlserteilenden, aber erfolgreich Schuldbewussten. Zu erkennen am hysterischen Herumgebrülle in den verschiendensten Tonlagen.

Die mir gestern begegnete Frauchenvariante ist mir zwar auch nicht willkommen, aber immerhin lieber: Sie machte noch nicht mal den Versuch, ihn zurückzurufen. Sie spazierte tiefenentspannt wirkend ihrem halbhohen Mischling hinterher, der in etwa vier Meter Entfernung von mir zum Stehen kam – ununterbrochen aufgebracht kläffend blieb er seiner Einschätzung der Lage treu. Sein basketballförmiger Kumpel hingegen schnaufte sich knurrbellend bis an mein Hosenbein.

Streng den Exerzitien des Ritus folgend bekannte sich Frauchen sicheren Wortes zu ihrem festen Glauben:

„Die machen nix.“

Ja klar. Logo.

Der Hund ist ja bekannerweise der Spiegel des menschlichen Begleiters und sie beißt mich ja im Moment ‚jetzt‘ nicht….

Das Hunde mich nicht tätlich angreifen, solange ich sie weiter nicht beachte bzw mich ihnen freundlich gegenüber zeige, hatte ich dem Volk der Hundeführer wirklich viele Jahre glauben können. Bis ich mehrfach eines anderen belehrt wurde.

Mein Hirn weiß, das es glauben könnte. Früher hätte es gewusst, dass diese Hunde nicht gefährlich sind.

Es weiß aber auch, das der Körper das nicht mehr weiß, im Gegenteil: Der erinnert sich an die Fehleinschätzungen des Hirns genau…

Es ist egal, ob es mein Groll ist, oder meine Angst:

Die Skepsis des Hundes jedenfalls ist geweckt.

Und aus unerwünschtem Kontakt mit Hundegebissen ist mühsam eine gute Erfahrung und wohl kaum ein Wunder zu machen.

Wohl aber aus dieser Begegnung:

Die Skepsis meines Körpers war geweckt. Schlug mir Alarm.

und

Es ist mal wieder gut gegangen, Körper. Haben wir gut gelöst, gut überstanden, gut gemacht.

Auf ein Neues, zurück.

Hin zum – angeborenen – Vertrauenkönnen.

Vertrauen

auf eine verlässliche Bindung.