La Abadia St. Lucia

Die Kleine Kirche liegt zwischen den Dörfern Illaratz und Ezkirotz bei ca. km 724.4 (Entfernung bis Santiago, also ca. 50 km hinter St. Jean Pied de Port).

Die Einweihung St. Lucias wird ins 17. Jahrhundert datiert, Der jetzige Besitzer Neill fand aber Münzen aus dem 13.

Der Altar vereint christliche wie heidnische Symbole.

Der Boden im Eingangsbereich war betoniert. Neill hat ihn freigelegt.

Eingearbeitet in das siebenstrahlige Muster sind kleine Rosetten angeblich dort, wo bei der Einweihung das Weihwasser den Boden berührt hat.

Durch die alleinstehende Lage und bestimmte Hinweise im und am Gebäude vermutet er, dass die Kirche ursprünglich als Schutz der Pilger von den Tempelrittern errichtet worden war. Erst später wurde es von der Kirche und ztw. von Benedektinermönchen genutzt.

Vom ersten Eingang ist nur noch der Türbogen zu erkennen, der Rest ist von Erde bedeckt:.

Tanja legt einen alten Bodenbelag frei. Im Hintergrund der alte Türbogen.

Vielleicht erzählt die Kirche igendwann noch ganz andere Geschichten als Neill jetzt schon.

Fundstück Moskitokugel… oder so :-))

GPS Daten: 42.909951,-1.521198 Pluscode 8CJWWF5H+XG, unter „safe the abbey“ findet man bestimmt auch etwas dazu im Internet bzw bei Facebook.

Aufgabe

Sonntag, 20. August 2017, 7:42 a.m.

Es gibt eine ganze Menge Urteile, Einstellungen und Gefühlsknäule, die mir bisweilen das Leben schwer machen. Dabei öffnet schon alleine die Vorstellung von mehr Leichtigkeit und Vertrauen im Leben das Herz, die Augen und den Mund, befreit die Arme und setzt die Füße in Bewegung.

Das ist die Aufgabe, die es zu meistern gilt – mit kleinen Schritten. Viele Schritte werden zum Weg.

Ich stelle mir eine Aufgabe: Die Aufgabe ist es, mich aufzugeben. Hingabe, Loslösung, nicht um mich zu finden, sondern um mich finden zu lassen.

So viel zur Theorie, die mir im Moment nur eine Ahnung ist, aber eine vollmundige, öffnende, ermunternde.

Auf geht’s.

Warum?

Es ist der 17. August 2017, 22:49 Uhr. Ich bin in Wetzlar.

Kaum war mein Beitrag von heute fertig getippt, musste ich los. Weg, nur weg.

Ich entschied mich für den Rhein. Meine Schwester hatte uns 2015 zu einer kulinarischen Stadtführung in Fulda eingeladen. Auf dieser probierte ich einen Wein aus Rheinhessen, der mir so gut schmeckte, dass ich eine Flasche mit nach Hause nahm. Sie enthielt nicht nur ihre eigenen, sondern auch die Aromen des schönen, entspannten, sonnigen Tages mit allerlei Freuden des Gaumens und des vertrauensvollen Beisammenseins. Ich hob die Flasche all die Jahre auf.

Heute verriet mir mein Motorradnavigationsgerät den Weg zum Winzer dieses Weins nach Lorch am Rhein. Völlig unkompliziert öffnete man mir nach einem kurzen Telefonat die eigentlich geschlossene Tür des Ausschankraumes. Ich probierte drei ihrer Weine und entschloss mich schnell, aber sicher, dass mir der auf Grauschiefer gewachsene Riesling erneut am besten schmeckte, und nahm eine Kiste mit.

Ich freute mich darüber, ein Ziel für meine Reise gehabt zu haben, also eben nicht ziellos herumgefahren zu sein – wenn auch auf vielen kurvige Umwegen :-). Irgendwann hatte ich mein Ziel erreicht.

Und jetzt?

Der Weg machte mir Freude. Nicht (nur) das Ziel.

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Der Camino.

Ähnlich unvorbereitet wie auf den PCT werde ich anreisen.

Warum? Habe ich ein Ziel? Ist es nur ein Weglaufen? Ein hastiges Füllen der Zeit, die mir noch bleibt? Was will ich da?

Gerade jetzt im Moment fühle ich mich stumpf ob dieser Fragen, vielleicht auch der mittennächtlichen Zeit geschuldet (Freitag, 18. August, 02:51 Uhr). Auch meine Kritiker wenden sich gelangweilt ab, wiegen sich in Sicherheit: „Das wird doch sowieso wieder nichts“.

Aber was soll es denn auch werden?

Mein Wunsch heißt: Nicht werden, sondern sein.

Wahrnehmen, was ist. Offen sein für das, was ich spüre, sehe, für das, was oder wer mir begegnet. Offen sein und Mitgefühl haben für mich, aber auch für die Wesen am Weg. Mir ein guter Begleiter sein, auch an schlechten Tagen.

Wo stehe ich im Moment?

Ich weiß nun, dass mein innerer Chor sich eine tragende Stimme in ihren, inneren Reihen wünscht. Eine, die die Melodie kennt und dem Chor das Vertrauen vermittelt, das er braucht, um dem Üben, also dem Leben, zu vertrauen. In meinem Gefühl ist es eine männliche Stimme. Er singt manchmal ohne deutlich hörbar zu sein, summt bisweilen, ermutigt die leisen, freundlichen Stimmen und beruhigt die Ausreißer. Er drängt sich nicht vor, ist aber immer da. Er vermittelt Ruhe und Sicherheit, hat Geduld und Zuversicht. Der Chor braucht das Gefühl, dass diese tragende Stimme bei ihnen bleibt, auch wenn ihre Stimmen brüchig, eintönig, furchtsam, unanhörlich oder noch völlig tonlos sind. Verlässlichkeit.

In meiner Phantasie versuche ich dieser „inneren Vaterstimme“ mehr und mehr Gestalt zu geben.

Es geht also um das Vertrauen.

Welches ich auch brauche, um real auf diesen, neuen Weg zu gehen.

Von dem ich so wenig weiß.

Für den ich nicht vorbereitet bin. Weiß ich doch jetzt im Moment noch nicht mal, welches Ziel der Bus hat, in den ich steigen werde. Und wann er wo abfährt.

Ich werde gehen.

Und mit dem ersten Schritt, so wie mit allen weiteren, Vertrauen üben – also leben.

Was ich erreichen werde ist offen.

Möge es dann mein Ziel sein.