Santiago de Compostela

Ich ließ mir Zeit, brauchte auch ein Weilchen, um die richtigen Worte zu finden, Christiane aus Frankfurt respektvoll, aber los zu werden. So einfach hätte ich es gerne auch mit Unkraut, Parkverboten, Geschwindigkeitskontrollen, Diensten, Pickeln, Falten und Haaren an unbeliebten Stellen ;-).

Es waren nur 10,5 km nach Santiago. Die Stadt empfing mit Regen. Ihr war’s egal und mir auch.

Zuerst humpelte ich Richtung Kathedrale, aber die empfing mich mit einem Schild, dass mein Rucksack nicht erwünscht sei. Könnt Ihr Euch vorstellen, dass so ein Rucksack nach all den Tage treuen Dienstes irgendwie Teil des Ganzen Karins ist und die sich in ihrer gewohnten Art erstmal komplett unwillkommen fühlte? Und manchmal mag ich es, beleidigt zu sein. Kennt Ihr Asterix bei den Spaniern? Ja, ganz genau so!!! (muss ich unbedingt gleich lesen, wenn ich wieder heim komme 😉 )

Jedenfalls habe ich erstmal ein Plätzchen in einer kleinen Pension für uns gefunden und meine bessere Hälfte nicht zum Duschen mitgenommen.

„Ja.“ Ich war in der Kathedrale. Aber zum Weihrauchschaukeln haben sie mich nicht rein gelassen. Und „Ja“, ich war auch in der allzu beliebten Schlange im Pilgerbüro, um die ‚Compostela‘ zu bekommen, die Urkunde, der schriftliche Beweis meines den Regeln entsprechenden Hierherkommens und Hierseins. Und „Ja“, es war mir egal.  Ich nahm den schnellen Stempel und ging mit dem ernsten Hinweis, ohne Schlangestehen auf gar keinen Fall die Compostela erhalten zu können. Aus und vorbei. So bin ich: Über 800 km laufen, aber zu faul zum 1-2 stündigem Schlangestehen.

Für manche ist so ein Ding Teil des Glücklichseins – wie man auf dem Bild der unbekannten Frau sehen kann… Danke!!!

Aber ein Bier vermag es auch, zum kurzen Glück zu verhelfen und ich hab‘ halt diese Variante gewählt.

Ihr Lieben! Ich sitze seit ganz lange in einer Kneipe, genieße die irisch anklingende Fiedelmusik, das Bier und die Tapas. Danke für dieses stempellose, wunderschöne, hoffentlich unvergessliche Ende dieses Weges. Mögen noch viele folgen.

Etappen Camino Francés ab León

Freitag, 8. September 2017

Fahrt mit dem Bus von Oviedo nach León, dann per Taxi nach Trobajo.

ca. 14 Uhr Start in Trobajo del Camino (306,4), gelaufen bis ca. 4 km vor Villavante (281,8) = ca. 20 km, übernachten im Zelt auf einer Wiese, sehr windig, kaum geschlafen. Schöner Sonnenuntergang

Samstag, 9. September 2017

ca. 4 km vor Villavante (281,8) bis Astorga (260,5), = ca. 25 km, übernachten in „Asociacion de Amigos del Camino de Santiago Astorga y su Comarca“ (Aubergue municipal)

Sonntag, 10. September 2017

Astorga (260,5) bis ca. 1 km hinter Riego de Ambros (219,7), schlafen im Zelt auf kleiner, dem Camino nahe gelegener Anhöhe = ca. 41 km

Montag, der 11. September 2017

ca. 1 km hinter Riego de Ambros (219,7) bis 2,5 km hinter Villafranca del Bierzo (183,2) = ca. 35,8 km, Zelten direkt auf einem Feldweg hinter dem Berg, windgeschützt

Dienstag, der 12. September 2017

2,5 km hinter Villafranca del Bierzo (183,2) bis O Cebreiro (übernachten in Aubergue Municipal) (154,8) = ca. 28,4 km (plus ca. 2,5 km um das verlorene Ladekabel wiederzufinden…)

Mittwoch, der 13. September 2017

O Cebreiro (154,8) bis ca. 1 km hinter San Mamede/Lugo (118,8) = ca. 36 km, Zelten auf einer gemähten Wiese. Regen am Morgen.

Donnerstag, der 14. September 2017

Ca. 1 km hinter San Mamede/Lugo (118,8) bis Ventas de Narón (79,7) = ca. 39,1 km, Übernachtung in Auberge Casa Molar

Freitag, 15. September 2017

Ventas de Narón (79,7) bis Ribadiso da Beixo (42,2) = ca. 37,5 km, Schlafen in Auberge Municipal für 6,- €

Samstag, 16. September 2017

Ribadiso da Beixo (42,2) bis A Lavacolla (10,5) = 31,7 km, EZ in Pension, Dusche und WC nebenan, 25,-€

Sonntag, 17. September 

A Lavacolla (10,5) bis Santiago de Compostela = 10,5 km, EZ in Pension in der Rúa do Hospitaliño Nr 5, Dusche und WC ein Stock tiefer, 30,-€

Stolz

Du musst doch unendlich „stolz“ auf dich sein! Den ganzen Weg geschafft, alles alleine, so tapfer und tüchtig!“

Nein.

Ich bin nicht stolz. Auf etwas stolz zu sein, erlaube ich mir sowieso nicht gerne. Und wenn schon, dann:

Worauf denn? Warum denn?

Weil ich dem alten Muster entsprochen habe und ich mich dann wohlfühlen darf, wenn ich Leistung erbracht, mich besonders angestrengt, große Zahlen geschrieben habe?

Ja, ich hätte gerne dieses Grundgefühl, in Ordnung zu sein. Richtig und willkommen so, wie und wo ich bin. Und immer wieder falle ich darauf rein, zu glauben, dieses könnte ich mit Leistung erreichen.

Niemals. Auch damit nicht.

Es war ein Weglaufen. Erlebt wie im Rausch.

Ich habe auf diesem Weg gesehen, gelebt, manchmal Momente genießen können und mein Körper hat mir das bis vor Tagen nahezu schmerzfrei ermöglicht.

Dafür bin ich dankbar und wäre es gerne noch viel mehr. So übe ich mich in Zufriedenheit, im Atmen und einfach Dasein dürfen. Im Schauen und Spüren, im Innehalten, Jasagen und – in der Liebe bzw. dem Annehmen dessen, was ist, wer mir begegnet und was dadurch in mir ausgelöst wird.

Aber dem stehen Leistungsdenken und „Biss“ klar entgegen.

Danke für diese Rückmeldung bzw. Email! So konnte ich darüber nachdenken und mir Klarheit verschaffen.