In Gesellschaft

Ich bin heute, am 9. September 2017, gegen 11:00 Uhr in Astorga angekommen. Gluecklicherweise hatte die Herberge „Albergue de peregrinos Siervas de María“, die ich mir aufgrund der vorhandenen Waschmaschine ausgesucht hatte, schon auf.

Ich sollte mir mit zwei Deutschen jungen Frauen und einer Dame aus Taiwan das Zimmer teilen, stellte aber fest, dass ich lieber in den 36 Betten Saal gehen würde, als mir das Gerede in Deutsch anzuhoeren.

Heute Abend wollte ich erstmalig in einer Herberge die Kueche nutzen. Zeitgleich hatten etwa 20 andere Gaeste diese Idee. Ich kaempfte mich durch, einfach auch, weil ich meine Quinoasuppe endlich nicht mehr tragen, sondern aufgegessen haben wollte. Ich stelle fest, dass ich sehr waehlerisch bin mit meiner Gesellschaft. Gespraeche zu beginnen und am Laufen zu halten erinnert mich immer an meine Arbeit. Ich tue es dann automatisch, ohne darauf zu achten, ob mir der Mensch wirklich sympathisch ist, oder nicht. Anschliessend fuehle ich mich oft ausgelaugt. So ging es mir heute in der Herberge. Ein Tagesabschluss alleine im nahegelegenen Park in der Abendsonne tat mir gut.

Obwohl es vielleicht schoener zu zweit gewesen waere, habe ich den Tag heute gerne alleine verbracht. Ich habe mir die Kathedrale und das Palacio de Gaudi, den Bischofspalast, angesehen. Gerne haette ich meine Eindruecke geteilt und erfahren, was ein Mensch, den ich mag oder der mich neugierig macht, dabei sieht, fuehlt und entdeckt. Aber alleine mit mir nahm ich mir Zeit fuer das, was mir wichtig war. Ich habe gesessen, geschaut, nachgespürt, Kaffee getrunken und fotografiert. Es ist vielleicht nicht der Optimalzustand, aber ich stelle fest, dass ich mir heute nicht die schlechteste Gesellschaft gewesen bin.